„Es handelt sich hier um Kunstfiguren, die nicht den Menschen abbilden,
sondern als Chiffre für all das fungieren,
was sich im menschlichen Leben abspielt…“
Jürgen Brodwolf
aus: „Das letzte Bildnis der Meret Oppenheim“, 2007

 

 

Jürgen Brodwolf, Jürgen Brodwolf
(geb. 1932 in Dübendorf bei Zürich)
„Stilleben mit Messer“
Objektkasten 1971/1973
47,5 x 48,5 cm x 11,5 cm
sign. dat. bez.
Holeczek/Blume 227
[19618]

 

 

 

07.05.–14.06.2014
JÜRGEN BRODWOLF
(geb. 1932 in Dübendorf bei Zürich)

– Der Figurist
Frühe und aktuelle Arbeiten

 

 

 

Zur Eröffnung am Mittwoch, den 7. Mai 2014 um 19.00 Uhr
laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.

Der Künstler ist anwesend.

 

 

Jürgen Brodwolf, Jürgen Brodwolf
(geb. 1932 in Dübendorf bei Zürich)
„Schlafende mit Idolfigur“
Reliefbild aus „Die Flut IV“
Leinwand, Jute, Pappmaché, Farbpigment, Bemalung, Tubenfigur 1990/2010
130 x 160 cm
sign. dat.
[21654]

 

 

Jürgen Brodwolf, ohne TitelJürgen Brodwolf
(geb. 1932 in Dübendorf bei Zürich)
ohne Titel
bandagierte und wachsumformte Papierfiguren
Pigmentfarbe, Gazestoffe, Papier, Wachs, Asphalt 1993/1995
55 x 45 cm x 4,5 cm
sign. dat. bez.
[17258]

 

 

 

Jürgen Brodwolf, Jürgen Brodwolf
(geb. 1932 in Dübendorf bei Zürich)
„Paar“
Textiles Relief, Pappe, Gaze, Asphalt 1996
104 x 222 cm x 11 cm
sign. dat.
[21648]

 

 

 

 

Zahlreiche Exponate der Ausstellung können unter
www.boisseree.com angesehen werden.

 

English – www.boisseree.com
Español – www.boisseree.com
Français – www.boisseree.com

 

 

 

 

Jürgen Brodwolf, Jürgen Brodwolf
(geb. 1932 in Dübendorf bei Zürich)
„Felskopf“
Bronzeplastik 2006/2009
19 x 31 cm x 27 cm
sign. dat.
Auflage 3 Exemplare
[21656]

Jürgen Brodwolf, Jürgen Brodwolf
(geb. 1932 in Dübendorf bei Zürich)
„Maske des Pygmalion“
Bleistift, Fettkreide, Figurenabformung 2011
28,5 x 40 cm
sign. dat. bet.
[21651]

 

 

 

 

Jürgen Brodwolf
– Der Figurist

Frühe und aktuelle Arbeiten

Zum wiederholten Mal zeigt die Galerie Boisserée eine umfangreiche Einzelausstellung des 1932 in Dübendorf bei Zürich geborenen Künstlers Jürgen Brodwolf zum Thema „Figuren“. Der ehemalige documenta-Teilnehmer (1977) und Professor für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart (1982-1994) zählt mit seinen inzwischen 82 Lebensjahren zu den Klassikern der deutschen Kunstszene, seine Arbeiten befinden sich in über 40 öffentlichen Sammlungen (z.B. im Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg oder im Kunsthaus Zürich) und wurden in über 200 Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt (z.B. im Sprengel-Museum, Hannover oder der Kunsthalle Mannheim). Im Zentrum von Jürgen Brodwolfs Werk steht die Beschäftigung mit der menschlichen Figur. Ausgehend von seinen ersten Tubenfiguren im Jahr 1959 aus ausgedrückten, leeren Farbtuben entstand für Brodwolf ein Ur- und Vorbild einer „inneren Figur“, die sich thematisch durch sein gesamtes künstlerisches Werk zieht. Die wahre Identität des Künstlers äußerst sich über die Figur als Medium – sei es als Collage, Objekt, Malerei, Plastik oder Installation. Die Ausstellung versucht an Hand verschiedener Objekte aus unterschiedlichen Werkgruppen den Evolutionsprozess ständig neuer Figurentypen nachzuzeichnen. Brodwolfs Figuren leiden, sie sind verletzt, manchmal sogar tot – doch sie tanzen, lieben und träumen auch und verkörpern essenziell menschliche Erfahrungen. Brodwolfs Figuren sind nicht schön – so wie der erlebende, erleidende oder gar geschundene Mensch nie schön ist. Seine Figuren haben jedoch die Schönheit der Wahrheit, des Wissens, der Summe des Daseins in sich geborgen. Das Werk dieses außergewöhnlichen Künstlers überzeugt durch seine Konsequenz und Geschlossenheit – seine Figuren sind aus einer inneren Notwendigkeit entstanden. Die Ausstellung zeigt verschiedenste Beispiele seines künstlerischen Schaffens. Neben frühen Objektkästen aus den 1970er Jahren, kleinformatigen Papierarbeiten (darunter der Zyklus „Das letzte Bildnis der Meret Oppenheim“), sind auch aktuelle Arbeiten prominent vertreten , wie die „Embryo-Figur“ von 2011 (Titel der Einladung) oder die großformatigen Arbeiten „Große Figur“ von 1982/91 oder „Schlafende mit Idolfigur“ von 1990-2010. Der aus 22 Papierarbeiten bestehende Zyklus „Cato lebt weiter“ wird komplett im Studio der Galerie gezeigt und widmet sich dem Leben und dem Tod einer Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus – der jungen Frau Cato Bontjes van Beek. Die Ausstellung öffnet dem Besucher einen Raum, öffnet die Tür in eine künstlerische Welt, die in ihrer Sensibilität, ihrer Sprödheit, Unverwechselbarkeit und Eigenwilligkeit einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt – der Welt des „Figuristen“ Jürgen Brodwolf.

 

 

 

Jürgen Brodwolf, Jürgen Brodwolf
(geb. 1932 in Dübendorf bei Zürich)
„Embryo-Figur I“
Reliefbild aus die „Die Flut VI“
Pappe, Gaze, Wachs, Asphalt 2011
62 x 77 cm x 10 cm
sign. dat. bet.
[21650]

Jürgen Brodwolf, Jürgen Brodwolf
(geb. 1932 in Dübendorf bei Zürich)
„Auf gelbes Figürchen blickend“
Mischtechnik (Fettkreide, Papierformung, collagierte Tubenfigur) 2013
28,5 x 40 cm
sign. dat. bet.
[21653]

 

 

„Jürgen Brodwolf. Cato lebt weiter“

„Fast jedes Schulkind und fast jeder Erwachsene kennt die Namen Sophie Scholl und „die Weiße Rose“. Aber Cato Bontjes van Beek? Der Name klingt niederländisch und ist bislang nicht in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit gedrungen. Und doch gehört er in die Reihe der deutschen Widerstandskämpferinnen gegen den Nationalsozialismus. Wie Sophie Scholl wurde Cato Bontjes van Beek […] angeklagt und zum Tode verurteilt. Wie Sophie Scholl ging sie ruhig, aufrecht und mit fast übermenschlichem Mut zum Schafott.“1 Tief bewegt von dem Leben und Sterben und der Haltung der jungen Frau hat Jürgen Brodwolf ihr 2008/2009 den Zyklus „Cato lebt weiter“ gewidmet. Es sind 22 einfühlsame, leise Arbeiten auf Papier entstanden. Zweimal erst wurden sie bisher ausgestellt.
Jürgen Brodwolf ist durch seine sensible, unbequeme Kunst bekannt geworden. Der Mensch steht im Zentrum seines Interesses. Es ist die menschliche Figur, in der sich sein Denken und damit sein schöpferisches Gestalten zeigen. In der für ihn charakteristischen menschengestaltigen, ausgequetschten „Tubenfigur“ und den fast embryonal oder in gebeugter Haltung dargestellten Figuren finden die Schrecknisse der Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft ihren bewegenden Ausdruck. Als kollektiv lesbare Chiffren oder Metaphern sind Brodwolfs Figuren ebenso zeit- wie geschlechtslos. Es fehlen alle „Attribute von Äußerlichkeiten“2 . Die mit Tüchern, Papier oder Gaze umhüllten, bandagierten Figuren gleichen Einbalsamierten. Ihre Oberflächen behandelt Brodwolf mit Wachs, Asche, Schichten aus Kreide, Farbe, Tusche und Asphalttinkturen. Als „Beinhaus aus Pappe, Gaze, Eisen und Wachs“ beschrieb sie Walter Jens3, „zu beklemmend gleichen sie den Resten, die Menschen von sich und anderen übrig gelassen haben“ Adolf Muschg4. Es sind Bildnisse von ungeheurer Intensität, von Gestalt gewordener Hoffnung und Verzweiflung. Brodwolf gibt den Figuren ein Leben. Und in ihm bewahren sie würdevolle Distanz.
Hermann Vinkes bewegendes Porträt „Cato Bontjes van Beek ‚Ich habe nicht um mein Leben gebettelt“5 gab Jürgen Brodwolf die Grundlage für seine bildnerische Auseinandersetzung mit ihr. „Während meines Aufenthaltes 2008 als Artist in Residence im Künstlerhaus Lukas in Ahrenshoop begann ich mit ersten Skizzen und Studien zum Zyklus.“6 Für die ersten Arbeiten diente ein fotographisches Porträt als Vorlage für das Bildnis der Cato, das durch Perforation auf seine Konturen reduziert oder durch rot- und blaufarbene Monotypien umgesetzt wurde. „Von der Ostsee in den Schwarzwald heimgekehrt, holten mich die verdrängten Fakten der Verfolgung, Haft und Folter – bis zum Tod Catos auf dem Schafott – wieder ein und sollten auf den noch leeren Papierseiten Gestalt annehmen. 2009 entstehen die Werke: Catos Traum, Folterung, Kopf – Leib, Pietà. Der Themenkreis schließt mit Lilienblüten, Clematisblüten […]“7. Entstanden ist eine außergewöhnliche Arbeit, eine eindrucksvolle Sammlung von Collagen und Papierreliefs.
„Catos Vermächtnis ist der Glaube an den guten Menschen, trotz allem…“8

1Hermann Vinke, Cato Bontjes van Beek, Ich habe nicht um mein Leben gebettelt, Ein Porträt, Arche Verlag Zürich-Hamburg, 2003
2Siegfried Salzmann, 1975, in: Der Figurist, Reden und Texte aus fünf Jahrzehnten zum Werk von Jürgen Brodwolf, Radius Verlag, Stuttgart 2013
3Walter Jens, 1992, in: ebd.
4Adolf Muschg, 1992, in: ebd.
5Hermann Vinke, Cato Bontjes van Beek, Ich habe nicht um mein Leben gebettelt, Ein Porträt, Arche Verlag Zürich-Hamburg, 2003
6Jürgen Brodwolf, Cato lebt weiter, Radius Verlag Stuttgart, 2009
7Ebd.
8Lew Kopelew, in: ebd.

 

 

Jürgen Brodwolf, Jürgen Brodwolf
(geb. 1932 in Dübendorf bei Zürich)
„Cato Bontjes van Beek V“
Collage, Ritzzeichnung auf Transparentfolie, Gouache, Asphalttinktur 2008
44,5 x 54,5 cm x 4,5 cm
sign. dat. bet.
[21616]


Jürgen Brodwolf, Jürgen Brodwolf
(geb. 1932 in Dübendorf bei Zürich)
„Vision“
Papiercollage, Papierfiguren, Gouache, Perforation 2008
54,5 x 44,5 cm x 4,5 cm
sign. dat. bet.
[21633]


Jürgen Brodwolf, Jürgen Brodwolf
(geb. 1932 in Dübendorf bei Zürich)
„Cato lebt weiter“
Collage, Perforation, Gouache 2009
45,5 x 54,5 cm x 4,5 cm
sign. dat. bet.
[21636]

Jürgen Brodwolf, Jürgen Brodwolf
(geb. 1932 in Dübendorf bei Zürich)
„Clematisblüten“
Collagierte Pappfigur, Clematisblüten, Asphalttinktur, Farbstift 2009
45,5 x 54,5 cm x 4,5 cm
sign. dat. bet.
[21635]

Jürgen Brodwolf, Jürgen Brodwolf
(geb. 1932 in Dübendorf bei Zürich)
„Folterung I“
Collagierte Pappfigur, Asphalttinktur, Farbstift 2009
44,5 x 54,5 cm x 4,5 cm
sign. dat. bet.
[21627]

Jürgen Brodwolf, Jürgen Brodwolf
(geb. 1932 in Dübendorf bei Zürich)
„Kopf – Leib II“
Papierrelief, Collage, Gouache, Perforation 2009
44,5 x 54,5 cm x 4,5 cm
sign. dat. bet.
[21630]

Jürgen Brodwolf, Jürgen Brodwolf
(geb. 1932 in Dübendorf bei Zürich)
„Lilienblüten“
Collagierte Stofffigur, Gouache, Lilienblüten, Farbstift 2009
45,5 x 54,5 cm x 4,5 cm
sign. dat. bet.
[21634]

 

 

Zur Ausstellung liegt das Katalogbuch „Jürgen Brodwolf. Cato lebt weiter“ mit Texten und den ausgestellten 22 Papierarbeiten, 48 Seiten, Hardcover, erschienen im Radius Verlag Stuttgart, zum Preis von 32 Euro aus.

 

 

Einladungen via E-Mail / Unsere Newsgroup

Sollten Sie unsere Einladungen bzw. Informationen zukünftig nicht mehr erhaltenwollen, – klicken Sie bitte hier –, um sich via vorbereitetem Mail abzumelden.

If you are not interested in receiving our mail– please click here – , and you will no longer receive our newsletter and e-mails.

Galerie Boisserée, J. & W. Boisserée GmbH
Köln seit 1838 / Cologne, est. 1838
Geschäftsführer Johannes Schilling und Thomas Weber
Drususgasse 7-11
D – 50667 Köln / Cologne
Tel. +49-(0)221-2578519
Fax +49-(0)221-2578550
Amtsgericht Köln HRB 20539
Öffnungszeiten: Di-Fr 10-18 Uhr Sa 11-15 Uhr
und nach Vereinbarung
www.boisseree.com
galerie@boisseree.com

© Galerie Boisserée, Köln und VG BILD-KUNST, Bonn